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Das digitale Wissenschaftsprogramm für Sie

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Live gestreamt aus der Volkshochschule in München

Aktuelle Themen aus Medien, Politik, Digitalisierung und Wirtschaft kommen jetzt direkt zu Ihnen nach Hause. Nehmen Sie online Teil an Vorträgen und Gesprächen von renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Medien, stellen Sie im Live-Chat fragen und diskutieren Sie mit. Alles was Sie brauchen, ist ein internet- und videofähiges Gerät.

Wie funktioniert's?

Melden Sie sich unverbindlich für die kostenlose Teilnahme online an. Alle Themen und Termine finden Sie direkt auf dieser Seite. Am Tag der Veranstaltung erhalten Sie per E-Mail einen Link zum Livestream, der zur angegeben Uhrzeit startet.


Das Programm im Überblick

Alle Details finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Dirk von Gehlen (Leiter „Social Media/Innovation“ bei der Süddeutschen Zeitung)
CyberMonday: Dark Social
Montag, 02. Dezember: 19:00 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Wolfgang Huber (bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, Berlin)
Dietrich Bonhoeffer: Auf dem Weg zur Freiheit
Dienstag, 03. Dezember: 19:30 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Michael Hochgeschwender (LMU München) im Gespräch mit
Prof. Dr. Werner Plumpe (Universität Frankfurt)
"America First" – Die protektionistische Wirtschaftspolitik der USA in Geschichte und Gegenwart
Donnerstag, 09. Januar: 19:30 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Michael Butter (Universität Tübingen)
Verschwörungstheorien: Charakteristika – Funktionen – Folgen
Montag, 20. Januar, 19.30 - 21.00 Uhr

Richard C. Schneider (ehem. ARD-Korrespondent)
Alltag im Ausnahmezustand: ein Blick auf Israel
Mittwoch, 04. März 2020, 19:00 - 21:30 Uhr

Prof.in Dr.in Eva Illouz
Gefühle in Zeiten des Kapitalismus
Donnerstag, 05. März 2020, 19:00 - 20:30 Uhr

Prof.in Dr.in Angelika Nußberger
Menschenrechtsschutz in Europa
Mittwoch, 18. März 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht
Faszination Sport. Eine kulturwissenschaftliche Betrachtung aus nicht nur männlicher Perspektive
Mittwoch, 01. April 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Dr.in Manuela Lenzen
Künstliche Intelligenz. Fakten - Chancen - Risiken?
Mittwoch, 22. April 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Thomas Bauer
Auf der Suche nach Eindeutigkeit. Wie die Flucht vor Ambiguität Gesellschaft und Kultur verändert
Donnerstag, 07. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Dr. Hans Woller
Gerd Müller oder: Wie das große Geld in den Fußball kam
Montag, 18. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Prof.in Dr.in Ursula Prutsch
Brasilien: Die Zerstörung der Demokratie unter Jair Bolsonaro
Mittwoch, 27. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Prof. Dr. Frank Trentmann
Herrschaft der Dinge. Eine neue Geschichte des Konsums und ein Blick auf morgen
Dienstag, 02. Juni 2020, 19:30 - 21:00 Uhr

Adrian Lobe, Buchautor
Der Code der Macht: Wer beherrscht den digitalen Raum?
Donnerstag, 25. Juni 2020, 19:30 - 21:00 Uhr


CyberMonday: Dark Social. Die “dunkle” Seite im Internet

Montag, 02.12.2019, 19:00 - 21:00 Uhr
Leitung: Dirk von Gehlen

Es gibt ein Phänomen, das die Gelbwesten in Frankreich, den Wahlsieg des rechtsextremen Jair Bolsonaro bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien und den Klassenchat der eigenen Kinder miteinander verbindet: Das Phänomen heißt "Dark Social" und fand bisher nicht nur wegen seines düsteren Namens wenig Beachtung in der Öffentlichkeit. Es ist das Schlagwort für jene von außen kaum einsehbare Form von Internet-Traffic, der über persönliche E-Mails, geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken oder Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram entsteht.

Diese Kanäle gelten als "dunkel", weil Betreiber von Webseiten nicht sehen können, woher die Besucher ihrer Seiten genau kommen, wenn sie in diesen privaten Räumen auf einen Link geklickt haben. "Dark Social" wurde als Schlagwort erstmals im Jahr 2012 von dem amerikanischen Journalisten Alexis C. Madrigal verwendet - als Gegenbegriff zu dem sichtbaren Traffic, den Websitebetreiber sehen, wenn Nutzer über eine Google-Suche auf eine Seite kommen oder weil sie zum Beispiel auf Twitter auf einen Link geklickt haben.

Seit 2012 wurde viel über Twitter und Facebook und deren Wirkung auf die öffentliche Debatte diskutiert. Dabei ist den dazu bekannten Studien zufolge der Anteil des dunklen Traffics enorm gestiegen, ohne dass es größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Vieles spricht dafür, dass die Bedeutung von Dark Social noch steigen wird. Diese auf den ersten Blick harmlos wirkende Form der persönlichen Kommunikation wird zu einer gesellschaftspolitischen Herausforderung.

Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Speaker. Bei der Süddeutschen Zeitung leitet er die Abteilung Social Media/Innovation, in der er u.a. das Longreads-Magazin Süddeutsche Zeitung Langstrecke entwickelt hat. Der Diplom-Journalist studierte Kommunikationswissenschaften, Politik und Neuere Deutsche Literatur an der LMU in München. Den durch die Digitalisierung ausgelösten Medienwandel begleitet er seit Jahren auf seinem Blog digitale-notizen.de und unter @dvg auf Twitter. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet – u.a. mit dem Grimme-Online-Award und dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten.


Dietrich Bonhoeffer: Auf dem Weg zur Freiheit

Dienstag, 03.12.2019, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Huber

Dietrich Bonhoeffer gehört zu den wirkmächtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts. Sein Widerstand gegen Hitler hat weltweit Protestbewegungen gegen Unterdrückung und Ungleichheit inspiriert. Seine Briefe aus der Haft wurden als Neubeginn der Theologie verstanden. Wolfgang Huber stellt Bonhoeffers Denken in den Mittelpunkt seines wunderbar prägnanten Porträts und macht deutlich, warum die mutigen Entscheidungen des Ausnahme-Theologen auch heute Ansporn sein können.

Kaum ein anderer Theologe hat so wie Dietrich Bonhoeffer darauf beharrt, dass theologisches und ethisches Denken in einer bestimmten Situation ist und sich unter neuen politischen oder gesellschaftlichen Umständen ändern kann. Im Juni 1939 wurde Dietrich Bonhoeffer in New York eine Dauerstelle angeboten, doch der junge Theologe, der bereits seine Lehrbefugnis verloren hatte, entschied sich gegen das Exil. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Berlin zurück, um für ein besseres Deutschland zu kämpfen. Es folgten Zeiten der Konspiration, Camouflage, Gefangenschaft, Einsamkeit und Zuversicht trotz allem. Wolfgang Huber macht deutlich, warum Bonhoeffers meistgelesene Schriften - die "Ethik" und "Widerstand und Ergebung" - nur unter diesen existentiellen Bedingungen entstehen konnten. Dass theologisch und ethisch stets die konkrete Situation zu berücksichtigen ist, war geradezu ein Grundzug von Bonhoeffers Denken, das sich durch kühne Neuansätze auszeichnet und von Anfang an eng mit seinem Leben verknüpft ist. Am 9. April 1945 wurde Bonhoeffer auf Hitlers persönliches Geheiß hingerichtet.

Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber ist einer der profiliertesten Theologen Deutschlands und betätigt sich als Vordenker in ethischen Fragen. Er war von 1994 bis 2009 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Sechs Jahre lang, von 2003 bis 2009, repräsentierte er als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die mehr als 20 Millionen Menschen evangelischen Glaubens in unserem Land. Immer wieder hat er sich in wichtigen gesellschaftlichen Debatten als Vertreter der evangelischen Kirche zu Wort gemeldet, zum Beispiel zur Rolle der Familie, zu Bildungsfragen, zur Bioethik, zum Verhältnis von Christentum und Islam sowie zur Ethik des Unternehmertums.


"America First" - Die protektionistische Wirtschaftspolitik der USA in Geschichte und Gegenwart

Diskussion

Donnerstag, 09.01.2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Prof. Dr. Werner Plumpe

Der Aufstieg der USA zu einer führenden Wirtschafts- und Industrienation begann im 19. Jahrhundert. Entgegen dem Mythos eines liberalen, an den Marktprinzipien Adam Smith orientierten Wirtschaftssystems waren aber gerade staatliche Interventionen grundlegend für den ökonomischen Erfolg des Landes. Die Rolle des Bundesstaates bei den riesigen Infrastrukturmaßnahmen im 19. Jahrhundert oder die bereits seit den 1820er systematisch betriebene Schutzzollpolitik, an der bis zum Zweiten Weltkrieg konsequent festgehalten wurde, stehen exemplarisch für die protektionistische Wirtschaftspolitik der USA, die auch nach dem Zweiten Weltkrieg in bestimmten Bereichen (z.B. Rüstungsindustrie) dominierte. In diesem Gesprächsabend soll diese oft vernachlässigte Seite der US-amerikanischen Politik genauer untersucht werden. Dabei sollen auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur aktuellen Politik Donald Trumps in den Blick genommen werden.

Michael Hochgeschwender ist Professor an der LMU München. Er ist einer der besten Kenner der US-amerikanischen Geschichte. Werner Plumpe ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der J.W. Goethe-Universität Frankfurt. Von 2008-2012 war er Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands.


Verschwörungstheorien: Charakteristika - Funktionen - Folgen

Montag, 20.01.2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Michael Butter

Verschwörungstheorien sind derzeit in aller Munde und scheinbar überall. Doch was macht eigentlich eine Verschwörungstheorie aus, und warum glauben Menschen an sie? Haben Verschwörungstheorien in den letzten Jahren zugenommen, oder sind sie durch das Internet nur sichtbarer geworden? Kehren sie langsam in die Mitte der Gesellschaft zurück? Und warum sind sie unter den Anhängern der neuen populistischen Bewegungen so verbreitet? Ist das gefährlich für unsere Demokratie, und was kann man dagegen tun? Anhand aktueller und historischer Beispiele wird der Vortrag in das Wesen und die Wirkung des konspirationistischen Denkens einführen.

Michael Butter ist Professor für amerikanischen Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Er hat in Freiburg, Norwich und Yale Anglistik, Germanistik und Geschichte studiert, wurde 2007 in Bonn promoviert und habilitierte sich 2012 in Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben Verschwörungstheorien die frühe amerikanische Literatur, der Hollywoodfilm und zeitgenössische Fernsehserien. Er koordiniert ein europäisches Netzwerk zur Erforschung von Verschwörungstheorien, an dem über 150 Wissenschaftler*innen aus 36 Ländern und mehr als einem Dutzend Disziplinen beteiligt sind. Im März 2018 erschien in der Edition Suhrkamp "Nichts ist, wie es scheint: Über Verschwörungstheorien".


Alltag im Ausnahmezustand: ein Blick auf Israel

Mittwoch, 04. März 2020, 19:00 - 21:30 Uhr
Leitung: Richard C. Schneider

Israel ist ein Land, das hin- und her gerissen ist zwischen Normalität und Ausnahmezustand, zwischen Konsum und Krieg, zwischen der Sehnsucht nach Frieden und dem Bedürfnis nach Sicherheit. In diesem Vortrag wird die komplexe und komplizierte Entwicklung der israelischen Gesellschaft in den vergangenen Jahren analysiert. Zwischen Hightech-Hub und religiösem Fundamentalismus droht die israelische Gesellschaft in jeder Richtung extremer und radikaler zu werden, nicht zuletzt auch durch die Bedrohungen von außen.

Richard C. Schneider bereist als Journalist seit über 30 Jahren den Nahen Osten und war von 2006 bis 2015 als Leiter und Chefkorrespondent des ARD-Studios Tel Aviv verantwortlich für Israel und die palästinensischen Gebiete. Er gilt als einer der besten Kenner Israels. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Hans Seidel Stiftung Israel statt und wird live aus Israel gestreamt.


Gefühle in Zeiten des Kapitalismus

Donnerstag, 05. März 2020, 19:00 - 20:30 Uhr
Leitung: Prof.in Dr.in Eva Illouz

Die international renommierte israelische Soziologin Eva Illouz wird in diesem Vortrag zeigen, dass die Kultur des Kapitalismus eine intensive emotionale Kultur ausgebildet hat: am Arbeitsplatz, in der Familie und in jeder Form von sozialen Beziehungen. Und mehr noch: Während ökonomische Beziehungen immer stärker durch Gefühle bestimmt werden, gilt für das Reich der Gefühle das Umgekehrte: Sie sind durch eine Ökonomisierung geprägt, die von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Trennung das Gefühlsleben reguliert. Eva Illouz fasst dieses eigentümliche Verhältnis als emotionalen Kapitalismus und geht ihm in verschiedenen Feldern (Partnerbörsen, Internet-Chat etc.) nach.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt und wird live aus dem Goethe-Institut Israel gestreamt.


Menschenrechtsschutz in Europa

Mittwoch, 18. März 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof.in Dr.in Angelika Nußberger

Auch wenn die Idee der Menschenrechte auf das 18. Jahrhundert zurückgeht, so hat man es doch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geschafft, zum Schutz der Menschenrechte auch Gerichte zu schaffen, die Staaten verurteilen können, wenn diese Rechte wie das Recht auf Leben, das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Verbot der willkürlichen Verhaftung nicht achten. Seit 60 Jahren können einzelne BürgerInnen ihre Beschwerden vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen, der für mittlerweile über 800 Millionen Menschen zuständig ist. Aber das System ist kompliziert, mit 47 Richterinnen und Richtern, die alle aus unterschiedlichen Staaten kommen und von unterschiedlichen Rechtskulturen geprägt sind. Sie sind dazu aufgerufen, europäische Standards durchzusetzen, müssen sich oftmals gegen die Politik stellen und sich Gehör verschaffen. Die Geschichte des Menschenrechtsschutzes in Europa ist eine Erfolgsgeschichte. Allerdings ist die Zukunft - angesichts der vielfach zu beobachtenden Rückbesinnung auf die nationale Souveränität und die Skepsis gegenüber Multilateralismus - offen.

Angelika Nußberger ist Slawistin und Expertin für Völkerrecht und Grundrechtsschutz. Forschungsaufenthalte führten sie zur Universität Harvard und zum Max-Planck-Institut für ausländisches Sozialrecht. Seit 2017 ist sie Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.


Faszination Sport

Eine kulturwissenschaftliche Betrachtung aus nicht nur männlicher Perspektive

Mittwoch, 01. April 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht

Worin besteht die Faszination des Sports? Ist es die extreme körperliche Leistung, der spannenden Wettbewerb oder gar die Sehnsucht nach Schönheit und Vollendung, die uns zu Bewunderern von Ausnahmesportlern macht? Ist das Sport-Sehen vielleicht sogar eine Sucht?

Hans Ulrich Gumbrecht erhielt mit 26 Jahren eine Professur an der Universität Siegen. Seit 1989 ist er Professor für Literaturwissenschaften an der Universität Stanford. Seine Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt.


Künstliche Intelligenz. Fakten - Chancen - Risiken?

Mittwoch, 22. April 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Dr.in Manuela Lenzen

Künstliche Intelligenz ist nicht länger nur eine akademische Disziplin. Seit Produkte der KI-Forschung marktfähig geworden sind, seit Computer immer leistungsfähiger werden und immer größere Mengen an Daten zur Verfügung stehen, beginnen "intelligent" genannten Algorithmen immer mehr Bereiche unseres Lebens zu verändern. Nie zuvor haben so viele Menschen zu Künstlicher Intelligenz geforscht, nie zuvor wurde so viel Geld in ihre Entwicklung investiert: nicht mehr nur von Universitäten und dem Militär, sondern auch von Unternehmen. Und wir sind hin- und hergerissen zwischen Verheißungen, die von autonomen Fahrzeugen über Roboterbutler bis zur individualisierten Medizin reichen, und Schreckszenarien von Manipulationen und Fakes über den Überwachungsstaat bis zur Machtübernahme der Maschinen. Der Vortrag versucht zuerst zu klären, warum diese Technologie uns zugleich so verwirrt und so fasziniert. Er skizziert die Geschichte der KI, die Versuche, das Unternehmen zu definieren, und die drei wichtigsten Ziele: die Suche nach intelligenten Lösungen für konkrete Probleme, etwa Übersetzungssystemen; den Versuch, durch Nachbauen intelligentes Verhalten von Tieren und Menschen besser zu verstehen; und das besonders ambitionierte Projekt, eine allgemeine künstliche Intelligenz, auch Human Level Intelligence oder Starke KI genannt, zu schaffen. Der Vortrag skizziert die "klassische" Künstliche Intelligenz und das maschinelle Lernen, insbesondere das Deep Learning, dem wir den aktuellen Boom der KI verdanken, samt seinen Vor- und Nachteilen. Schließlich wird es um neuere Projekte gehen, in denen sich Forscher für die Weiterentwicklung der KI wieder stärker am Menschen, d. h. an Erkenntnissen der Neuro- und Kognitionswissenschaften über das Funktionieren der menschlichen Intelligenz, orientieren.

Manuela Lenzen hat an der Universität Bielefeld in Philosophie promoviert und schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin und Sachbuchautorin vor allem Themen aus den Bereichen Kognitionsforschung und Künstliche Intelligenz. Sie ist zudem in Teilzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. 2018 erschien ihr Buch "Künstliche Intelligenz. Was sie kann und was uns erwartet" (C.H. Beck Verlag).


Auf der Suche nach Eindeutigkeit

Wie die Flucht vor Ambiguität Gesellschaft und Kultur verändert

Donnerstag, 07. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Thomas Bauer

Während die Welt immer komplexer wird, ist gleichzeitig - nicht nur in westlichen Gesellschaften - ein Rückgang an Ambiguitätstoleranz festzustellen. Die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten, Ungewissheiten zu ertragen, andere Sichtweisen gelten zu lassen, ist offensichtlich weltweit im Schwinden begriffen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaft, etwa auf die Akzeptanz von Demokratie, sondern auch auf jene Bereiche der Kultur, die auf Ambiguitätstoleranz angewiesen sind, ja dazu beitragen könnten diese in der Gesellschaft zu stärken, wie Theater, Kunst und Musik. Auch ein auf möglichst schnelle und effiziente Ausbildung gerichtetes Bildungssystem lässt immer weniger Raum für spielerische Kreativität.

Thomas Bauer ist Professor für Arabistik und einer der besten Islamwissenschaftler. Er ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2013 mit dem renommierten Leibniz-Preis ausgezeichnet worden. Zuletzt ist von ihm bei C.H. Beck das Buch "Warum es kein islamisches Mittelalter gab. Das Erbe der Antike und der Orient" erschienen.


Gerd Müller: oder Wie das große Geld in den Fußball kam

Montag, 18. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Dr. Hans Woller

Sie nannten ihn das "achte Fußball-Weltwunder" - und meinten damit Gerd Müller, der als Torjäger noch heute alle Rekorde hält. Wer war dieser Mann, der vom Provinzkicker aus ärmlichsten Verhältnissen zum Weltstar aufstieg, reich wurde und dann nach einem Ausflug in das Fußballentwicklungsland Amerika alkoholsüchtig in der Gosse landete?

Der Historiker Hans Woller schildert in diesem Vortrag die Etappen dieser ungewöhnlichen Karriere - aus kritischer Distanz und zugleich voller Empathie. Die Geschichte des FC Bayern München ist dabei stets präsent. Müllers Verein etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren an der Spitze des europäischen Fußballs, bewegte sich aber immer am Rande des finanziellen Ruins. Wie die Insolvenz abgewendet werden konnte, welche zwielichtige Rolle dabei die bayerische Staatsregierung und die CSU spielten und in welchem Maße Superstars wie Müller oder Beckenbauer von diesen Machenschaften profitierten, ist bisher noch nie so eindringlich dargestellt worden. Fußballgeschichte wird hier zur Zeitgeschichte, die damit eine neue wissenschaftliche Dimension gewinnt.

Hans Woller war bis zu seiner Pensionierung als Chefredakteur am Institut für Zeitgeschichte in München. Er gilt als einer der besten Kenner der jüngeren italienischen Geschichte.


Brasilien: Die Zerstörung der Demokratie unter Jair Bolsonaro

Mittwoch, 27. Mai 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof.in Dr.in Ursula Prutsch

Von 1964 bis 1985 regierten Diktatoren den größten lateinamerikanischen Staat. Auch in den Jahrzehnten davor hatte es Phasen der Diktatur gegeben. Mit der Verfassung von 1988 schien die Gefahr systematischer staatlicher Willkür gebannt und der Wille zu einer transparenten demokratischen Kultur besiegelt zu sein. Die Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff brachten Brasilien internationale Wertschätzung ein: durch ihre Sozialpolitik und ihr Bemühen, Rassismus und Diskriminierung - das Erbe der ehemals größten Sklavenhaltergesellschaft auf dem amerikanischen Kontinent - zu überwinden. Mit der Wahl von Jair Messias Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens wird das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, werden politische Errungenschaften zerstört. Wie ist der Wahlerfolg Bolsonaros zu begründen? Welche Gefahren birgt seine Politik für die Zukunft Brasiliens?

Ursula Prutsch ist Professorin am Amerika-Institut der LMU München. Sie unterrichtet US-amerikanische und lateinamerikanische Geschichte. Sie schrieb unter anderem (mit Enrique Rodrigues-Moura) eine Kulturgeschichte Brasiliens (2013), eine Biographie über Eva Perón (2015) und ein Buch zu Populismus in den USA und Lateinamerika (2019).


Herrschaft der Dinge

Eine neue Geschichte des Konsums und ein Blick auf morgen

Dienstag, 02. Juni 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Prof. Dr. Frank Trentmann

Was wir konsumieren ist zu einem bestimmenden Aspekt des modernen Lebens geworden. Wir definieren uns über unseren Besitz, und der immer üppigere Lebensstil hat enorme Folgen für die Erde. Wie kam es dazu, dass wir heute mit einer derart großen Menge an Dingen leben, und wie hat das den Lauf der Geschichte verändert? Frank Trentmann, Historiker am Birkbeck College der Universität London, erzählt in Herrschaft der Dinge erstmals umfassend die faszinierende Geschichte des Konsums. Von der italienischen Renaissance bis hin zur globalisierten Wirtschaft der Gegenwart entwirft er eine weltumspannende Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, die eine Fülle von Wissen bietet, den Blick aber ebenso auf die Herausforderungen der Zukunft lenkt angesichts von Überfluss, Klimawandel und Turbokapitalismus. Im Vortrag und der danach folgenden Diskussion werden konventionelle Sichtweisen von Shopping hinterfragt und der Blick auf die Rolle des Staates und die der Zivilgesellschaft für den Aufstieg der KonsumentInnen und unsere heutigen Lebensweisen gerichtet. Eine Geschichte des Konsums liefert einen unverzichtbaren Beitrag zu den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Debatten unserer Zeit.

Frank Trentmann ist Professor für Geschichte am Birkbeck College der Universität London. Er studierte und promovierte an der Harvard University und lehrte anschließend in Princeton. 2017 erhielt er von der Alexander von Humboldt-Stiftung den Humboldt-Forschungspreis.

 


Der Code der Macht: Wer beherrscht den digitalen Raum?

Donnerstag, 25. Juni 2020, 19:30 - 21:00 Uhr
Leitung: Adrian Lobe

Vom utopischen Gründergeist der frühen Entwicklungsjahre des Internets – als Ort des freien Wissens und der Unabhängigkeit - ist nicht mehr viel übrig. Regierungen zensieren das Netz und errichten elektronische Sperrzäune, Geheimdienste saugen gemeinsam mit Tech-Giganten private Nutzerdaten ab, Troll-Fabriken verbreiten Fake-News und torpedieren ganze Wahlkämpfe. Das Internet, so der bittere Befund, ist kaputt. Und niemand hat eine Strategie, wie man es reparieren kann. Viel schlimmer: Mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen bauen wir unser eigenes Datengefängnis, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Tech-Konzerne wie Apple, Amazon und Google ließen Vertragsarbeiter reihenweise Audio-Mitschnitte ihrer Nutzer auswerten: Patientengespräche, Drogengeschäfte, Sex - minutiös wurde das Leben der Anderen protokolliert. Ist es mit der Privatsphäre endgültig vorbei?

Der Journalist und Buchautor Adrian Lobe analysiert in seinem Vortrag diese tektonischen Machtverschiebungen in der digitalen Gesellschaft, er erklärt die Fallstricke smarter Gadgets, die nicht die digitalen Diener sind, als die sie vermarktet werden, und er zeigt Lösungen auf, wie man sich aus dem Klammergriff der Datenkraken befreien kann. Adrian Lobe studierte in Tübingen, Paris und Heidelberg Politik- und Rechtswissenschaft und arbeitet für verschiedene Zeitungen im deutschsprachigen Raum. 2016 wurde er mit dem Preis des Forschungsnetzwerks Surveillance Studies ausgezeichnet, 2017 erhielt er den ersten Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz.


Wie funktioniert's?

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