5 Fragen an Susanne Schwarzl

Weg vom Unwohlsein hin zu mehr Lebensqualität - warum Reizdarm eine Eigenschaft ist

Susanne Schwarzl litt sieben Jahre lang an Reizdarmbeschwerden. Nach sämtlichen Diäten, Medikamenten, Stunden in Arztpraxen und unangenehmsten Untersuchungen entdeckte sie die Low FODMAP® Ernährungsstrategie für sich selbst. In ihrem neuen Online-Kurs möchte sie diese auch anderen Betroffenen näherbringen und so auch deren Lebensqualität wieder erhöhen.

Gleich zu Beginn die wichtigste Frage: Woher weiß man eigentlich, dass man am Reizdarmsyndrom leidet?

Es gibt keine Untersuchung, die darauf schließen lässt, ob man einen Reizdarm hat oder nicht. Man schließt wirklich ernsthafte Erkrankungen und auch Unverträglichkeiten aus. Wenn da nirgends etwas Klares rauskommt, dann schließen die Ärzte meistens darauf, dass es ein Reizdarm ist. Die Betroffenen sind dann meistens schon sehr frustriert und genervt, weil dann ja auch die Diagnose Reizdarm meistens keine Lösung mit sich bringt. 

Erzähl uns etwas über Low FODMAP®. Was kann man sich grob darunter vorstellen und wieso kann das bei Reizdarm helfen?

Low FODMAP® ist eine Ernährungsstrategie, die in Australien entwickelt wurde. Die Forscher haben festgestellt, dass manche Lebensmittel einen höheren Gehalt gewisser Kohlenhydrate oder Zuckeralkohole haben. Wenn Leute mit Reizdarmbeschwerden auf diese Lebensmittel verzichten, geht’s ihnen besser. Mein Blog myFODMAP ist daraus entstanden, dass ich selber einen Reizdarm habe, ungefähr sieben Jahre lang gesucht und keine Lösung gefunden habe, um meine Beschwerden zu lindern, bis ich auf die Low FODMAP® Ernährung gekommen bin. Damit konnte ich meine Beschwerden zu 70-80% reduzieren, manchmal sogar zu 100%. Jeder Reizdarm ist individuell, jeder Darm ist individuell – also es gibt nicht nur das eine FODMAP®, sondern jeder hat so seine eigene Art der Umsetzung dieser Ernährungsstrategie. 

Wie schwierig ist es, eine Ernährungsumstellung in den Alltag zu integrieren? Was sind deine persönlichen Erfahrungen?

Ich habe schon mehrere Arten von Ernährungsumstellung hinter mir. Was ich gemerkt habe: entscheidend dahinter ist das Ziel. Was möchte ich durch eine Umstellung erreichen? Was „gebe ich auf“ und was bekomme ich dafür? Bei Low FODMAP® ist das Ziel ein Gesundheitsaspekt, es ist ein Wohlgefühl, es ist Lebensqualität. Und dafür verzichte ich liebend gern auf bestimmte Lebensmittel, weil der Preis, den ich dafür bekomme, ist ganz ein anderer. Und wenn man mal nach jahrelangem oder wochen-, monatelangem Leiden und Unwohlfühlen Tage erlebt, an denen das einfach gar nicht auftritt, dann ist die Motivation eine ganz andere und dann schafft man’s eigentlich leicht, das in den Alltag zu integrieren. Dann gibt’s natürlich Phasen, auch bei mir, da ist mir das egal, da möchte ich dann einfach meine Pizza essen, aber der positive Effekt ist, wenn ich danach Beschwerden habe, weiß ich warum. Ich kann mich davor schon darauf einstellen und weiß, an dem Tag mach ich halt nichts aus. Ich weiß, ich hab mir das jetzt gegönnt, da dauert es ein, zwei Tage und dann ist alles wieder gut. 

Was können Interessierte von deinen Kursen erwarten? 

Im ersten Kurs möchte ich, dass die TeilnehmerInnen verstehen, was ein Reizdarm eigentlich ist, und auch, warum Low FODMAP® dann funktionieren kann und wie da der Zusammenhang ist. Was ich gerne möchte, ist, dass die Leute nicht blind einer Liste folgen, sondern zu verstehen beginnen, warum sich was wie auswirkt, das alles aber auf einem ganz oberflächlichen Niveau. Ich bin keine Ärztin, wir machen keinen medizinischen Kurs, sondern wirklich einen für den Alltag tauglichen. Und ich möchte dann auch Rezeptinspirationen und Rezepte mitgeben und Listen – einfach den TeilnehmerInnen ein kleines Package zur Verfügung stellen, sodass sie das nach dem Kurs ausprobieren können. Im zweiten Kurs backen wir gemeinsam Kekse, die gut verträglich sind. Ich denke, das Format ist ein witziges, online gemeinsam zu kochen. Da möchte ich auch, dass die TeilnehmerInnen bei ihnen vorm Bildschirm stehen mit dem Rührstab und gemeinsam mixen wir alle die Eier zusammen und solche Dinge. 
 
Richtet sich dein Kurs explizit an Personen, die bereits wissen, dass Sie am Reizdarmsyndrom leiden oder können auch andere davon profitieren?

Er richtet sich an Leute, die wissen, sie haben einen Reizdarm, aber auch an die, die glauben, sie haben einen. Auch an die, die einfach merken, es geht ihnen nicht gut mit der Verdauung und keine Ahnung haben wieso. Optimal wäre, wenn sie schon gewisse Arztbesuche hinter sich haben. Wichtig ist mir einfach,  dieses Unwohlsein wegzugeben. Viele sagen mir, sie trauen sich nicht, wenn sie in einem Restaurant sind, nachzufragen, was in einem Essen drin ist, weil es ihnen unangenehm ist vor ihren FreundInnen und Bekannten. Man muss ja nicht am Tisch erzählen, wie es einem gerade mit der Verdauung geht, aber dazu stehen. Ich sehe Reizdarm viel weniger als Krankheit, sondern eher als eine Eigenschaft, auf die man Rücksicht nehmen muss.  

Weitere Infos zu Susanne Schwarzl gibt es auf ihrem Blog, auf Facebook und auf Instagram.

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