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10 Jahre Grundbildung in Tirol

10 Jahre Grundbildung in Tirol

2.500 profitierten bisher von der breit getragenen Grundbildungsinitiative in Tirol

2.500 Erwachsene haben in den vergangenen 10 Jahren über die Grundbildungsinitiative der Volkshochschule Tirol Lesen, Schreiben und Rechnen (wieder) gelernt. Damit haben sie einen wesentlichen Schritt gesetzt, um ihre beruflichen Möglichkeiten zu verbessern und sich auch stärker in die Gesellschaft einbringen zu können. "Einerseits steigert man die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt, es ist aber auch eine wichtige individuelle Bereicherung, wenn man Lesen und Schreiben lernt", hob Bildungslandesrätin Dr. Beate Palfrader die Bedeutung der Tiroler Grundbildungsinitiative hervor. Die Vorsitzende der Volkshochschule, Bürgermeisterin Mag. Christine Oppitz-Plörer, betonte die breite Basis, auf der die Grundbildungsinitiative der Volkshochschule steht: "Ich danke allen Beteiligten, sowohl den Unterrichtenden als auch den vielen Institutionen und Menschen, die Mut zur Grundbildung machen und den Medien, die in den vergangenen 10 Jahren die Grundbildung bekannt gemacht haben und so zum Erfolg der Initiative beigetragen haben."

2007 startete die Volkshochschule in einem Pilotprojekt mit vier Teilnehmenden den ersten Grundbildungskurs in Tirol. Aufgrund der Übernahme der Finanzierung durch das Land Tirol, den Bund und den europäischen Sozialfonds konnten mittlerweile fast 500 Grundbildungskurse in Innsbruck, Lienz, Kitzbühel, Kufstein, Schwaz, Telfs, Imst und Reutte abgehalten werden, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt 29.000 Unterrichtseinheiten konsumiert haben. Rund 1.100 haben vor dem Besuch des ersten Grundbildungskurses ein etwa einstündiges Beratungsgespräch (Erstgespräch) in Anspruch genommen. 

Diese Zahlen sind ein schöner Erfolg für alle, die sich an der Grundbildungsinitiative der Volkshochschule Tirol beteiligen und mithelfen, dass möglichst viele mit Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder grundlegenden Rechnen von dieser Bildungsmöglichkeit erfahren. "In Tirol ist diese Kommunikation von vielen mitgetragen worden: von Politikerinnen und Politikern, von sozial tätigen Vereinen und Institutionen, die oft in direktem Kontakt Menschen zur Teilnahme an der Grundbildung motiviert haben, von den Tiroler Kinos, die über von Schülerinnen und Schülern des Medienlehrganges der Ferrarischule produzierte Grundbildungsspots gezeigt haben, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit besonderem Engagement tausende Bücher als Botschafter für die Grundbildung auf die Reise geschickt haben und vor allem von den Tiroler Medien", stellte der Geschäftsführer der Volkshochschule Tirol, Mag. Ronald Zecha, fest. Immer wenn motivierend über die Grundbildung in Radio, Fernsehen oder den Printmedien berichtet wurde, konnte in den folgenden Tagen ein Anstieg der Anmeldungen an den Grundbildungskursen festgestellt werden – nebenbei ein schöner Beleg für die Wirkung medialer Berichterstattung in Tirol!


Grundbildung -  besondere Bedeutung unter den Erwachsenenbildungsangeboten

Lesen ist die wichtigste Kulturtechnik. Wer nicht sinnerfassend lesen kann, kann sich kaum weiterbilden, hat schlechtere berufliche Chancen und kann an der gesellschaftlichen Entwicklung kaum teilnehmen. Gleiches gilt für die Fähigkeit schreiben und rechnen zu können. 
Normalerweise suchen Erwachsene, die sich fortbilden wollen, ein Angebot in der Tiroler Weiterbildungslandschaft und belegen dann den entsprechenden Kurs oder Lehrgang. Bei der Grundbildung ist dies anders: Wer nicht lesen oder schreiben kann, schämt sich meist dafür und hat Angst, dass die Mitmenschen ihm die Intelligenz absprechen, wenn sein Defizit bekannt wird. Deshalb erfinden viele Betroffene oft sehr geschickte Ausreden, um Lese- oder Schreibsituationen zu vermeiden. Eine angeblich vergessene Brille oder eine vorsichtshalber vor einem Amtsgang eingebundene Hand dienen oft als gut geplante Ausrede, um das Defizit zu verbergen. Wenn es gelingt, solche Menschen zur Teilnahme an der Grundbildung zu motivieren (auch die Anmeldung stellt normalerweise eine große emotionale Hürde dar), legt man damit nicht nur den Grundstein für bessere berufliche und gesellschaftliche Chancen, sondern nimmt ihnen auch eine schwerwiegende emotionelle Last. Deshalb hat die Volkshochschule Tirol vor 10 Jahren zusammen mit dem Bildungsministerium und dem Land Tirol die Grundbildungsinitiative gestartet, die sich aufgrund der Mithilfe vieler Institutionen wie etwa auch der Gemeinden, die kostenlos Unterrichtsräume zur Verfügung stellen, zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat.


Bedarf an Grundbildung weiterhin groß

„17,1% der 16- bis 65-Jährigen in Österreich, fast eine Million Menschen, verfügen über nur niedrige Lesekompetenz und sind dadurch mit möglichen Benachteiligungen im Beruf und Alltag konfrontiert“, resümierte 2014 die Statistik Austria anlässlich der Präsentation der „Erwachsenenbildungs-Pisa-Studie“ PIAAC – Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies), in der auch die Lesekompetenzen getestet wurden. Sie verstehen höchstens kurze Texte, längere Texte mit unterschiedlichen Informationen werden bereits zum Problem. Rund 3,5% der 16- bis 65–Jährigen haben jedoch ein so geringes Lesevermögen, dass sie gar nicht an der PIAAC-Studie teilnehmen oder höchstens einzelne Informationen in kurzen Texten identifizieren können. Umgelegt auf Tirol zählt die Gruppe dieser schwächsten Leserinnen und Leser rund 30.000 Personen.
Deshalb ist es weiterhin nötig, sich im Rahmen der Grundbildung zu engagieren, um jenen Menschen, die entweder nie die Möglichkeit hatten, die Kulturtechniken zu erlernen oder die sie aus unterschiedlichen Gründen wieder verlernt haben, die Chancen zu bieten, neuerlich Fuß zu fassen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu braucht es weiterhin die Unterstützung der öffentlichen Hand aber auch die Mithilfe vieler verschiedener Einrichtungen und Institutionen besonders bei der Motivation derjenigen, die von der Grundbildung profitieren können, einen überaus wertvollen Beitrag leisten können.

Bildunterschrift (Nemec/VHS Tirol): vlnr Dr. Ina Tschikof (Trainerin Grundbildung), Landesrätin Dr. Beate Palfrader, Mag. Ronald Zecha (GF VHS Tirol), Bürgermeisterin Mag. Christine Oppitz-Plörer, Mag. Christine Bitsche (Koordinatorin Grundbildung)

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